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Als ich vor gut einem Jahr angefangen habe, mich intensiver mit der persischen Küche zu beschäftigen, war noch nicht daran zu denken, dass eine Reise in den Iran tatsächlich greifbar sein würde und es mir jetzt nach zwei Wochen voller intensiver Eindrück in so vielerlei Hinsicht ziemlich lange ganz schwer gefallen ist, wieder richtig anzukommen.
Noch wochenlang bin ich gedanklich ständig abgeschweift, saß in Gedanken noch auf dem Naqsh-e Jahan Platz in Esfahan , mein Handy zeigte wochenlang noch das dortige Wetter an und kulinarisch
befanden wir uns sowieso in Persien.

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Weil viele gefragt haben, habe ich mir überlegt,  in der kommenden Zeit hin und wieder mal ein bisschen von der Reise zu berichten. Definitiv in mehreren Teilen (nachdem es jetzt schon Wochen gedauert hat, den ersten Post hinzukriegen) und unterbrochen von passenden Gerichten. Ein einzelner Post könnte der Masse an Input aber auch nicht annähernd gerecht werden.

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Wie hat alles angefangen?

Seit den Anfängen meiner Studentenzeit wollte ich in den Iran. Mitbewohner im ersten Studentenwohnheim in Köln hatten das Interesse geweckt. Aber das knappe Budget und auf jeden Fall auch die politische Lage sowie der Mangel an passenden Reisebegleitern ließen Iran erstmal ein Traumziel bleiben. Und nachdem das Große Früchtchen da war, habe ich auch kaum mehr daran gedacht.

Spätestens seit ich mit großer Hingabe persisch koche und durch Freunde und Kochbücher immer wieder mit Iran in Verbindung komme, war das Reisefieber aber wieder erwacht. Doch in den Iran mit Familie inklusive Kleinkind? Könnte man machen. Aber die Dinge, die mich wirklich interessieren, sind neben dem Leben und den Leuten vor allem auch die Kultur – alte Steine, neuere Steine, Museen! Und das in einem Land, wo man keinen Badeurlaub hintenanhängen oder am Nachmittag in den Pool springen kann.

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Die Lösung?

Ohne die Familie fahren! Greifbar wurde diese eher leise gehütete Idee im letzten Sommer in der Elternzeit – manchmal braucht es nur ein Abendessen und eine ebenfalls sehr reiselustige Freundin und Kollegin. Aus einer fixen Idee wurde recht schnell eine konkrete Vorstellung: viel Kultur, möglichst alle wichtigen Städte sehen, so viel wie möglich unterkriegen – aber das alles in maximal zwei Wochen. Weniger aber auch nicht. Kann ja aber auch schlecht meinen Jahresurlaub alleine verbringen…

Also Familie organisiert, Urlaub eingereicht, Gruppenreise gebucht.
Bisher hatte ich mir nicht vorstellen können, mal eine Gruppenreise zu machen. Im Urlaub habe ich gerne selbst das Sagen, bin gerne spontan, schaue was kommt.

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Erster Stop Teheran

Große Freude, aber auch ein bisschen Anspannung also auf dem Weg nach Teheran.
Kurz und knapp: Die Reisegruppe ist ein wenig älter als erwartet… wir fühlen uns ein bisschen wie die Nesthäkchen. Aber nach ein paar Tagen (mit dem ein oder anderen Unfall) grooven sich alle doch recht gut ein.

Nach der Ankunft mitten in der Nacht, dem ersten ungelenkigen Anlegen des Kopftuchs, ein bisschen (unnötigem) Adrenalin vor der Passkontrolle und wenigen Stunden Schlaf geht es jedenfalls erstmal direkt zu Fuß mitten ins Getümmel zum Golestan-Palast (Palast des Rosengartens), dem damaligen Regierungssitz der Kadscharen. Ein Must-See in Teheran. Der Verkehr ist – wie es sich für eine Großstadt gehört – beeindruckend und alle sind froh, die Straßen nicht alleine überqueren zu müssen.

Überall werden wir neugierig freundlich taxiert und ständig winkt man uns zu, allenthalben schallt es „Welcome to Iran!“. Wir werden in kurze Gespräche verwickelt, ganze Schulklassen brechen in Begeisterungsstürme aus.

Während die Schulkinder mit Kopftuch und Manto bekleidet sind, fällt auf, dass die Kleidungsvorschriften zumindest nicht mehr ganz so eng sind (oder scheinen oder gehandhabt werden) wie in den Reiseführern beschrieben. Insbesondere in Teheran sitzt bei Frauen das Kopftuch gerade noch auf dem Dutt.

Von den wunderschönen Fliesen und dem Blingbling im Inneren (keine Fotos erlaubt) des Golelstan-Palasts geht es direkt zu noch größeren Reichtümern, den Kronjuwelen im Keller der Nationalbank, verborgen hinter meterdicken Safetüren (surprise, ebenfalls keine Fotos).
Wirklich sehr viel Blingbling. Wenn man auf sowas steht. Aber kann man sich ja mal angucken.

 

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Um ehrlich zu sein, hätte ich mich in der Zeit lieber in ein Café gesetzt und hätte das Treiben der Stadt auf mich wirken lassen. Doch der anschließende Besuch in einer Kirche und das Gespräch mit dem dortigen Pfarrer ist den Ausflug definitiv wert – es ist ja nicht so einfach, mal an recht ungefilterte Informationen zu kommen. Ein spannender Einblick, der weit über den Religionspart hinausgeht!

Nach dem obligatorischen Besuch im Nationalmuseum, der bei mir insbesondere die Vorfreude auf Persepolis nochmal richtig anheizt, geht es auch schon weiter.
Rein in den Bus, auf in den Westen nach Hamadan! Zum Glück kommen wir nochmal nach Teheran, denn mehr als ein erster Eindruck war das ja nicht.

To be continued.

 

Interessiert an persischer Küche? Guck mal im Rezeptindex „Rezepte“ unter Länderküche > Iran, dort gibt es schon einige tolle Gerichte.

Viele schöne Bilder vom Golestan-Palast gibt es auf dem Blog „anektodique“ von Clemens – unbedingt anschauen!

 

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